Biologisch bauen renovieren wohnen – Buchreview

Mit Schadstoffen belasteter Wohnraum kann ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellen. Bauherren und Mieter planen Neubau, Renovierung und Einrichtung des Eigenheims oder der eigenen Wohnung deshalb immer häufiger nach baubiologischen und ökologischen Kriterien.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, das eigene Heim wirklich gesund und schadstofffrei zu gestalten: Die Werbebranche kennt den Trend und versieht fast jedes Produkt mit den Etiketten „ökologisch“ oder/und „nachhaltig“.

Aber welche Baustoffe sind tatsächlich ökologisch unbedenklich? Wie kann man diese von herkömmlichen unterscheiden und wo findet man sie?

Diese und viele weitere Fragen zum Thema ökologisches Bauen und Wohnen beantwortet das Buch „Biologisch bauen, renovieren, wohnen“ aus dem Reimer-Verlag, das ich im Folgenden vorstellen möchte.

Das Buch von Autor Herbert Artelt, „Biologisch bauen, renovieren, wohnen – Handbuch für Bauherren und Architekten, ist 2014 erschienen. Es wurde mir vom Reimer-Verlag freundlicherweise für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

Es enthält auf 176 Seiten viele nützliche Informationen für Mieter und Bauherren, baubiologische Praxistipps und zusätzlich eine umfangreiche Liste von Herstellern ökologischer Produkte.

Inhalt

Das Buch ist in Sieben Kapitel gegliedert.

Kapitel 1 – Die Grundstückswahl

Hier geht es zunächst darum, ein den eigenen Bedürfnissen entsprechend geeignetes Grundstück zu wählen. Dazu beschreibt der Autor wichtige Umweltfaktoren, welche die Wohn- und Lebensqualität maßgeblich beeinflussen können.

Kapitel 2 – Konstruktion und Baumaterialien

Beim Lesen dieses mehr als Fünfzig Seiten umfassenden Kapitels wird schnell deutlich: der Verfasser greift auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der Baubiologie zurück.

Entsprechend kritisch befasst er sich an dieser Stelle auch mit den negativen Folgen der gegenwärtig geübten Praxis energieeffizienten Bauens, welche die Bedürfnisse von Mensch und Umwelt zuwenig in den Mittelpunkt stellt.

Artelt listet alle wichtigen grundlegenden Eigenschaften auf, die ökologische Baumaterialien aufweisen sollten.

Anhand dieser Kriterien, die sowohl Energieeffizienz und Schadstoffbelastung als auch soziale Komponenten berücksichtigen, beschreibt und beurteilt der Autor dann die Verwendung baubiologisch und ökologisch sinnvoller Materialien.

Kapitel 2 – Die Technik

Im zweiten Kapitel erhält der Leser viele Informationen über die Beheizung, elektrische Installation und Wasser-/Abwasserversorgung aus baubiologisch und ökologischer Sicht.

Dabei geht es vor allem um Fragen geeigneter Heizsysteme und Energielieferanten. Aber auch dem strittigen Thema des Schutzes vor möglicherweise negativen Einflüssen elektromagnetischer Felder widmet sich der Autor genauso wie der technischen Ausstattung der Küche oder dem sparsamen Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser.

Kapitel 4 – Die Inneneinrichtung

Schadstoffe in Innenwänden, im Fußboden, in der Möblierung und in Textilien können nachweislich das Raumklima und das Wohlbefinden der darin lebenden Menschen beeinträchtigen.

Auf über Fünfzig Seiten erfährt der Leser in diesem Kapitel, welche Maßnahmen bei der Inneneinrichtung diese schädlichen Einflüsse reduzieren oder verhindern können.

Ein eigener umfangreicher Abschnitt über das Thema gesundes Schlafen und die Frage nach der geeigneten künstlichen Wohnraumbeleuchtung runden dieses Kapitel ab.

Kapitel 5 – Tipps zum ökologischen Wohnen und Arbeiten

Der heutige Mensch verbringt einen großen Teil seines Lebens in Innenräumen und hat dabei sehr oft keinen unmittelbaren Einfluss auf die Qualität der Umweltbedingungen. Dies trifft für Beschäftigte in Unternehmen aber insbesondere auch für Kinder zu.

Dieses Kapitel richtet sich mit einer Reihe von ökologischen Tipps an das Verantwortungsbewusstsein von Arbeitgebern und Eltern.

Außerdem erhält der Leser Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit Reinigungsmitteln und zur ökologischen Bekämpfung von Insekten, Pilzen und Schadtieren im Haus.

Kapitel 6 – Die Gartengestaltung

Hier schließen sich viele Tipps zur Gestaltung eines natürlichen Lebensraumes für Mensch und Tier an.

Kapitel 7 – Nachwort – Ein Plädoyer für mehr ökologisches Bewusstsein

Im letzten Kapitel des Buches legt der Autor sehr kritisch die Ursachen unserer heutigen ökologischen Probleme dar. Ein leidenschaftlicher Aufruf zu mehr Verantwortung an die Politik, die Industrie und jeden Einzelnen von uns.

Fazit:

Das „Handbuch für Bauherren und Architekten“ vermittelt wesentliche, zum Teil sehr ausführliche Informationen, um den Leser in ökologischen Baufragen zu emanzipieren. Dieses erklärte Ziel erreicht Herbert Artelt durch eine klar strukturierte sachliche Gliederung einer sehr komplexen Thematik.

An einigen Stellen des Buches könnte nach meiner Ansicht eine feinere Untergliederung der geballten Vielfalt an Informationen solchen Lesern, die nur Informationen zu bestimmten Themen suchen, den Einstieg etwas vereinfachen.

Das Buch bietet aber sehr viel mehr. Folgt man dem kritischen, unbequemen Blick des Autors auf die Ursachen unserer gegenwärtigen ökologischen Probleme, wird man an manchen Stellen nachdenklich.

Das in Politik und der Werbeindustrie viel geübte Hantieren mit dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ ist oft bestenfalls dazu geeignet das eigene Gewissen und das Anderer zu beruhigen. Ökologische Probleme aber liegen in unser aller Verantwortung und man sollte sich manchmal nicht so einfach beruhigen lassen.

„Eine ökologische Veränderung muss vom Herzen kommen und mit dem Verstand ausgeführt werden“, schreibt Herbert Artelt im Nachwort. In diesem Sinne bietet dieses Buch kritischen Verbrauchern mit Herz und Verstand eine nützliche Hilfe bei der Auswahl ihrer Produkte.